Supergirl ist der zweite Film im neuen DC-Universum von James Gunn und Peter Safran nach Superman. Und ja, obwohl beide zur selben Familie gehören, sind ihre Filme ziemlich unterschiedlich.
Regie führt Craig Gillespie, bekannt für I, Tonya und Cruella, das Drehbuch stammt von Ana Nogueira. Milly Alcock, bekannt aus House of the Dragon, übernimmt die Hauptrolle. Zum Cast gehören außerdem Eve Ridley als Ruthye, Matthias Schoenaerts als Krem und Jason Momoa mit einem kurzen Auftritt als Lobo, nachdem er im früheren DC-Universum Aquaman gespielt hatte.
Der Film adaptiert den Comic Supergirl: Woman of Tomorrow, von Tom King und Bilquis Evely. Da ich ihn nicht gelesen habe, weiß ich nicht, wie originalgetreu der Film ist. In dieser Kritik bewerte ich ihn deshalb als Film, nicht als Adaption.
Kurios am Rande: Drehbuchautorin Nogueira hatte zuvor schon an einem anderen Supergirl-Film für Sasha Calle gearbeitet, die Schauspielerin aus The Flash, doch dieses Projekt verschwand mit dem Kurswechsel bei DC. Diese Version hat damit allerdings nichts zu tun und entstand praktisch von Grund auf neu.
Handlung von Supergirl
Kara Zor-El führt ein ganz anderes Leben als ihr Cousin Superman. Kara trinkt, reist durchs All und zieht von Bar zu Bar, weil sie die Zerstörung Kryptons -einschließlich ihrer Familie- viel bewusster erlebt hat als Clark.
Karas Weg kreuzt sich mit Ruthye, einer jungen Frau, die sich an Krem rächen will, dem Mann, der für den Tod ihres Vaters verantwortlich ist. Von da an reisen beide gemeinsam durch verschiedene Welten, wobei Supergirl nur äußerst widerwillig mitmacht.
Im Grunde also ein Roadmovie im Weltraum.
Was bei Supergirl funktioniert
Das Beste am Film ist eindeutig Milly Alcock.
Alcocks Supergirl hat Persönlichkeit und Charisma und unterscheidet sich völlig von David Corenswets Superman. Kara ist zynischer, impulsiver und weniger idealistisch.
Sagen wir es so: Wenn Superman der perfekte Schwiegersohn ist, willst du Supergirl beim Weihnachtsessen lieber gar nicht sehen. Vor allem, weil sie dir die Hausbar leeren würde. Noch bevor ihr euch an den Tisch setzt.
Das ist keine weibliche Version von Superman, wie man denken könnte, wenn man die Figur nicht kennt oder den Trailer nicht gesehen hat. Und genau das ist vermutlich die größte Stärke des Films.
Auch der Ton funktioniert. Supergirl ist leicht, gut getaktet und praktisch von Anfang bis Ende unterhaltsam.
Tatsächlich hat die Figur mehr Persönlichkeit als der Film selbst. Und das ist natürlich nichts Gutes.
Denn der Film erinnert sehr stark an Guardians of the Galaxy. Humor, Tempo, Figuren, die Reise zwischen Planeten und sogar die Inszenierung mancher Actionszenen folgen einem sehr ähnlichen Muster.
Ist das schlecht? Nicht unbedingt.
Die Formel funktioniert normalerweise, und auch hier tut sie es. Dafür nimmt sie dem Film allerdings einen Teil seiner eigenen Persönlichkeit.
Action und CGI erledigen ihren Job ordentlich. Nichts beeindruckt besonders, aber es gibt auch keine (D)Effekte, die mich aus dem Film gerissen hätten.
Übrigens ist Lobos erwähnter Auftritt genau das, was er ist: ein unterhaltsames Jason-Momoa-Cameo und kaum mehr. Er ist da, um dich daran zu erinnern, dass alles zu einem größeren Universum gehört. Viel trägt er nicht bei, stören tut er aber auch nicht.
In dieser Hinsicht brauchst du keinerlei Vorwissen über das neue DC-Universum, um dem Film zu folgen, und die Verbindungen zu Superman oder Lobo sind vorhanden, ohne den Film zu dominieren. Das ist gut gelöst: Du musst vor dem Anschauen keine Hausaufgaben machen, um alles zu verstehen.

Was nicht funktioniert
Das Hauptproblem ist, dass Supergirl ein sehr vergesslicher Film ist.
Nicht weil er schlecht gemacht wäre. Im Gegenteil: Fast alles ist ordentlich umgesetzt, aber meiner Meinung nach wäre hier deutlich mehr möglich gewesen.
Kara ist psychisch von dem gezeichnet, was sie auf Krypton erlebt hat, und der Film versucht, ihr durch Rückblenden Tiefe zu geben. Das Problem ist, dass diese emotionale Entwicklung nicht wirklich überzeugend dargestellt wird.
Du weißt, dass sie traumatisiert ist. Du weißt, warum sie trinkt, zynisch ist und so mit anderen umgeht. Aber der Film erklärt das Problem besser als seine Ursachen.
Auch die Beziehung zu Ruthye ist funktional und wenig überraschend. Die Beziehung treibt die Handlung voran und verändert Kara, folgt dabei aber ziemlich ausgetretenen Pfaden.
Und Krem ist noch weniger relevant.
Er ist der typische Bösewicht, der zwei Stunden lang seine Funktion erfüllt und den du kurz nach Filmende vermutlich wieder vergessen hast. Es würde mich sehr überraschen, ihn in einem weiteren DC-Film zu sehen.
Hier hätte es einen Antagonisten gebraucht, der einer deutlich interessanteren Hauptfigur gewachsen ist.
Fazit
Supergirl ist unterhaltsam, Milly Alcock ist großartig und ihre Version von Kara hat das Potenzial, zu einer der interessantesten Figuren des neuen DCU zu werden.
Aber dem Film fehlt es an Ambition.
Mit einem besser ausgearbeiteten Drama und einem stärkeren Bösewicht hätte daraus ein deutlich einprägsamerer Film werden können, und zugleich mit weniger Ähnlichkeit zu Guardians of the Galaxy.
So wie der Film veröffentlicht wurde, lässt er sich gut anschauen. Und genauso leicht wieder vergessen.

Technische Daten
| Feld | Angabe |
| Titel | Supergirl |
| Jahr | 2026 |
| Laufzeit | 108 Minuten |
| Regie | Craig Gillespie |
| Drehbuch | Ana Nogueira |
| Basierend auf | Supergirl: Woman of Tomorrow, von Tom King und Bilquis Evely |
| Hauptbesetzung | Milly Alcock, Eve Ridley, Matthias Schoenaerts, Jason Momoa, David Krumholtz, Emily Beecham und David Corenswet |
| Genre | Action, Abenteuer, Science-Fiction und Fantasy |
| Land | Vereinigte Staaten |
| Produzenten | James Gunn und Peter Safran |
| Wertung | 3/5 |
Bewertung
Für wen es ist
✔️ Wenn du ein leichtes, unterhaltsames Weltraumabenteuer suchst.✔️ Wenn dir der Ton von Guardians of the Galaxy gefällt.
✔️ Wenn du diese neue Version von Supergirl kennenlernen willst.
Für wen es nicht ist
❌ Wenn du ein tiefes Drama über Karas Trauma suchst.❌ Wenn du die humorvolle Weltraumabenteuer-Formel satt hast.
❌ Wenn du einen ambitionierten Superheldenfilm erwartest.
Häufige Fragen
Lohnt es sich, Supergirl (2026) anzusehen?
Ja, wenn du ein leichtes, unterhaltsames Weltraumabenteuer suchst. Milly Alcock funktioniert hervorragend als Hauptfigur, auch wenn der Film wenig ambitioniert und ziemlich vergesslich ist.
Muss man Superman vor Supergirl sehen?
Nein. Der Film gehört zum selben DC-Universum, funktioniert aber für sich allein, und die Verbindungen zu anderen Filmen sind für das Verständnis nicht nötig.
Funktioniert Milly Alcock als Supergirl?
Ja. Milly Alcock ist eindeutig das Beste am Film. Kara wirkt charismatisch, zynisch, impulsiv und deutlich anders als David Corenswets Superman.
Ähnelt Supergirl Guardians of the Galaxy?
Sehr. Humor, Tempo, die Reise durch verschiedene Welten und einige Actionszenen erinnern stark an Guardians of the Galaxy. Die Formel funktioniert und macht den Film unterhaltsam, nimmt ihm aber auch Persönlichkeit.
Wer ist Lobo in Supergirl?
Lobo ist eine Figur aus dem DC-Universum und wird hier von Jason Momoa gespielt. Sein Auftritt ist im Grunde ein unterhaltsames, beiläufiges Cameo ohne großes Gewicht für die Haupthandlung.
Spielt Jason Momoa weiterhin Aquaman?
Nicht in diesem neuen DC-Universum. Nachdem Jason Momoa in der früheren Filmkontinuität Aquaman gespielt hat, tritt er hier als Lobo auf.
Basiert Supergirl auf einem Comic?
Ja. Der Film orientiert sich an Supergirl: Woman of Tomorrow, geschrieben von Tom King und gezeichnet von Bilquis Evely. Diese Kritik vergleicht beide Werke nicht direkt, weil ich den Comic nicht gelesen habe.
Unterscheidet sich Supergirl stark von Superman?
Ja. Kara ist deutlich zynischer und impulsiver und vom Trauma geprägt, die Zerstörung Kryptons bewusst erlebt zu haben. Der Film zeigt eine wesentlich weniger vorbildliche Heldin als Superman.
Ist der Bösewicht in Supergirl gut?
Krem erfüllt seine Funktion, bleibt aber kaum im Gedächtnis. Er ist einer der schwächsten Punkte des Films und vermittelt nach dem Ende kaum ein Gefühl echter Bedrohung.
Gehört Supergirl zum neuen DCU?
Ja. Er gehört zu den Filmen des neuen Kino-Universums von James Gunn und Peter Safran, lässt sich aber problemlos ansehen, ohne den Rest zu kennen.
Welche Wertung bekommt Supergirl?
Ich gebe ihm 3/5. Unterhaltsam und mit einer sehr guten Hauptdarstellerin, aber es fehlen Persönlichkeit, Ambition, überzeugenderes Drama und ein besserer Bösewicht.

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